Ves:prit – Gedanken zur Vesperzeit

„Es ist ein Unding, allen Forderungen des Daseins ins Auge zu sehen und dann Hörnchen mit Kaffee zu vespern.“ [Die Zeit, 09.12.1988, Nr. 50]

Auf der Suche nach einem geeigneten, von mir verlässlich wahrzunehmenden Zeitpunkt, zu dem ich regelmäßig meine Journal-Beiträge verfassen kann, kam mir die Zeit des Vesperns [ˈfɛspɐn] in den Sinn. Gevespert, oder im süddeutschen auch „geveschpert“, wird in den frühen Abendstunden, fast noch spätnachmittags. Nach vielen Jahren in Franken und mit einer dorther stammenden und in Teilen noch ansässigen Familie ist mir das vespern wohl vertraut – als Brotzeit im Biergarten, auf Wanderungen oder daheim am Küchentisch vor einem herbstlichen Mahl von Nüssen, Mandeln und (Trocken-)Früchten. Eine ähnliche Wirkung stellt sich bei mir ein, wenn ich samstags zwischen 17 und 19 Uhr im Radio der Sendung „Vesper“ zuhöre. Mit teils weltlicher, teils geistlicher Musik aus Renaissance, Barock oder Klassik und anregenden geistreichen Hintergrundinformationen geht die Woche gedankenvoll zu Ende und allmählich stellt sich das Wochenendgefühl ein. Zeit für die Vesper ist damit Zeit für Gedanken, die im Alltag zu kurz kommen, sich ebenso schnell verflüchtigen, wie sie gekommen sind, und im besten Fall auf ein „Später“ verschoben werden. Gedanken, die oftmals ethischen Überlegungen zu den „Forderungen des Daseins“ folgen und einen Standpunkt einzunehmen suchen. Nun bei der samstäglichen Vesper möchte ich sie wieder hervorholen und hier an dieser Stelle teilen – mit Ihnen, wenn Sie möchten und wo Sie nun schon mal da sind.

Denk mal!

Mehr zu ethischen Reflexionen durchfinden Sie auf meiner Website.

Vesper-Tee aus dem Klosterladen der Abtei Maria Laach


Wenn eine nachmittägliche kleine Mahlzeit und der dazugehörende Vesper-Tee bereitsteht, geht es los. Worüber möchte ich schreiben?
Welche Gedanken treiben mich um? Was ist in der vergangenen Woche geschehen, was mich noch beschäftigt? Gehe ich vom Thema zum Bild oder
umgekehrt – was kommt mir zuerst in den Sinn?

Erstmal zur Ruhe kommen, den Tee duften lassen und die Kerze flackern, im Hintergrund die Musik zur Vesperzeit im Radio und die Gedanken
schweifen und zu mir kommen lassen. Auf geht’s!