Und warum Journal und nicht Blog?

Der Entscheidung lag zunächst ein einfacher auditiv-ästhetisches Empfinden zugrunde: fabula Me – das Journal klingt in meinen Ohren – und man spreche es bitte französisch aus – einfach schöner und fügt sich zudem besser ins Schriftbild ein.

Während der Blog dem Führen von Aufzeichnungen oder dem Protokollieren von Sachverhalten dient und meist als chronologisch abwärts sortierte Liste von Einträgen erscheint (sagt der Wikipedia-Eintrag), was mir sehr oberflächlich erscheint, weisen die Definitionen von Oxford Languages folgendes aus:

Dabei hat mich insbesondere das Schiffstagebuch wegen der vielschichtigen Metaphorik und Symbolik angesprochen. Hans Blumenberg veröffentlichte 1979 seine Untersuchungen zur Metaphorik des Schiffbruchs –  „Schiffbruch mit Zuschauer“. Die Metapher umspannt das gesamte Leben der Seefahrt mit „Ausfahrt und Heimkehr, Hafen und fremde Küsten, Ankergrund und Navigation, Sturm und Windstille, Seenot und Schiffbruch, nacktes Überleben und bloßes Zuschauen“ (vgl. Verlagsseite Suhrkamp). Blumenberg zeichnet die Geschichte der Metapher des Schiffbruchs anhand von Beispielen aus Philosophie und Literatur nach und verortet das Unbegriffliche von Metaphern in seiner Metaphorologie, die nicht nachweis- und fassbare Einsichten in der Illustration einer ganzheitlichen Bildlichkeit aufhebt.

Da in meinem Journal  sowohl Bilder und Metaphern als auch (fiktionale wie reale) biographische Erzählungen für die Gewinnung von lebensrelevanten Einsichten und Erkenntnissen eingesetzt werden, schien mir die Verwendung eben dieser Bezeichnung – des Journals  – angemessener. Er umfasst einen Blick auf Welt, Leben und Geschichte(n) und verbindet dabei das Subjektive der Wahrnehmung und der Orientierung mit der so abgewandelten Wirklichkeit, die sich in Metaphern, gleichnishaften Erzählungen und kleinen wie großen Erzählungen, Narrativen zeigt.

Eins kann ich aber nicht versprechen: Dass es tägliche Blicke und Fragen geben wird. Vielleicht nicht mal wöchentliche, wobei ich ein samstägliches Schreiben – immer zur Vesperzeit – anstrebe. Daher auch die Rubrik Ves:prit – Gedanken zur Vesperzeit [link]. Alle anderen Veröffentlichungen entziehen sich der Planbarkeit, entstehen vielmehr aus dem Moment, der Situation und dem, was das Leben, die Welt und andere an Fragen aufwerfen.

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