Schwierigkeiten benennen und auflösen

Mein Blick hält sich fest an dem weißen baumartigen Etwas, das umgeben ist von kahlen, verdorrten Bäumen und Sträuchern. Ich kann es nicht erkennen, will es nicht glauben, ein Baum und doch kein Baum, nicht stehend und doch auf einem Stamm – anscheinend? scheinbar?  – ruhend.*

Das Bild löst Beklemmung und Unsicherheit aus. Wirft Fragen auf. Ich fühle mich ausgetrocknet an, erstarrt, umgeben von Düsternis, ein Hauch von Asche in Baumform. Fragil, verletzlich.

So ergeht es mir gerade in meiner Arbeit. Ich scheine dort nicht mehr zu existieren, totgesagt, kaltgestellt. Ein Hauch von Asche, Reste meiner vergangenen Jahre dort. Alles Leben, mein ganzes Engagement, mein Einsatz und meine Leistungen wie abgefackelt. Das fühlt sich überhaupt nicht gut an. Wertlos, überflüssig, unnütz. Wenn ein Wind aufkommt, fegt es mich dahin.

Ich stelle mir vor, wie der Waldbrand über diesen einen Baum hinweg gefegt ist, ihn zersetzt hat, in Asche verwandelt, als die er nun am Boden liegt, zerbröselt, zerrieben. Er liegt dort ganz in Ruhe, ein Schemen seiner selbst. Asche zu Asche, Staub zu Staub. Auf der Erde liegt er als Aschebild.

Diese Erde kann den gewesenen und halten, feucht und nährend, und er nährt die Erde mit seinem Selbst, das noch in ihm, dem gewesenen und in der Asche bewahrten Baum steckt. In seiner Energie, die in Asche verwandelt ist. Aus dieser Energie kann Neues entstehen, neues Leben, ein neuer Baum, gereift und genährt, weise und gestärkt durch die Erfahrung der Verwandlung.

In meiner Arbeit stärken mich die Kolleginnen und Kollegen, mit Worten, mit Schokolade, mit Aufmerksamkeit und Wertschätzung, mit Verständnis und Ermutigung. Das Ignoriert-Werden von anderer Seite lässt sich als in Ruhe gelassen werden umdeuten. Ich kann mich auf mich und das, was mir wichtig ist, konzentrieren. Das fällt nicht leicht und auf dem Abstellgleis ist es karg, ein Lost Place, das tut weh, aber ich denke an die Kraft, die ich trotz allem daraus gewinnen kann.

Auf der Baumasche, dem in die Horizontale geworfenen und dort langsam und leise verbrannten Baum werden neue Pflanzen keimen, er wird sich langsam und leise wieder begrünen. Wird Nahrung und genährt vom Stoffwechsel zwischen den Elementen. Der Aschebaum weiß es schon und erzählt vom Werden und nicht sterben können der eigenen Energie.

Nach dem Regen, VAE, Dubai

 

 

*Yann Arthus-Bertrand, Ashes, Côte-d’Ivoire, 1988
Asche eines Baumes in der Nähe der Gorohoui-Kongoli-Berge, Savannenregion, Elfenbeinküste
Gesehen in der Ausstellung Wälder – Erdlebenbilder im Museum Sinclair-Haus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert