Ich gebe zu, mir sind Frauen sympathischer. Ich mag sie lieber als Männer. Männer finde ich doof. Überflüssig bis ärgerlich.
Aber ganz so stimmt das natürlich nicht. Ich mag einen bestimmten Habitus, gewisse Eigenschaften und Fähigkeiten lieber als andere, und zwar die, die klischeehaft stereotyp eher mit Frauen verbunden werden als mit Männern. Womit man natürlich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht gerecht wird. Und den zahlreichen dazwischen, jenseits oder in deren Vermischung erst recht nicht.
Was heißt das schon – typisch Mann – typisch Frau? Natürlich gibt es Tendenzen, für die sich wissenschaftliche Disziplinen wie Psychologie oder Soziologie interessieren, aber im alltäglichen Zusammenleben kommt es doch wohl eher auf den einzelnen Menschen, die einzelne Person als das Individuum an.
Am heutigen Internationalen Frauentag geht es aber um etwas anderes, nämlich um politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung. Es geht gegen Diskriminierung, gegen Unterdrückung, gegen Benachteiligung. Rein rechtlich ist der Grundsatz der Gleichberechtigung und der Gleichbehandlung (nicht nur) der Geschlechter verwirklicht, aber in der Praxis stellt sich das wohl nicht immer so dar. Ganz und gar nicht. Gewalt in allen Formen ist nahezu an der Tagesordnung, auch in dieser ach so aufgeklärten, westlichen industrialisierten Gesellschaft.
Frank Walter Steinmeier sieht gar Rückschritte bei der Gleichberechtigung und weist in seiner heutigen Rede auf eine Zunahme von Frauenfeindlichkeit und eine teilweise Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern hin. In populistischen Gruppierungen werde der Ruf nach Gleichstellung „so etwas wie eine „fixe Idee progressiver Kräfte“. Auch die UN Women Deutschland konstatieren „Die Welt scheint sich rückwärts zu bewegen“ und befürchten (oder stellen fest), dass „[u]nsere Welt […] Frauen und Mädchen in all ihrer Vielfalt im Stich [lässt ]“.
Dummerweise geht die Gewalt, Unterdrückung, Diskriminierung und Ungleichbehandlung von der männlichen knappen Hälfte der Weltbevölkerung und von den Strukturen, die sie geschaffen haben, aus. Und die werden weiterhin reproduziert.
Ich stelle mir etwas ganz anderes vor. Eine Welt und einen zwischenmenschlichen Umgang, in dem äußere Merkmale überhaupt keine Rolle spielen. In der es keine Begriffe für Unterschiedlichkeit braucht, weil eh klar ist, dass wir alle individuell und damit unterschiedlich sind. Ich habe nicht per se etwas gegen Kategorien und kategorialen Gruppierungen, die Frage ist nur, was man dann damit macht.
Ganz grundsätzlich wehre ich mich (auch stellvertretend für andere) gegen jede Form von Benachteiligung, Gewalt, Unterdrückung, Fremdbestimmung und Bevormundung. Immer. Generell. Egal, worum es geht und wer für wen warum zu sprechen sich anmaßt. Sich zu verurteilen das Recht nimmt. Entscheidungen für andere trifft, ohne diese anderen überhaupt auch nur gehört zu haben. Geschweige denn einbezogen hat und partizipieren ließ. Jede Person sollte selbstbestimmt entscheiden und handeln können und das Recht auf gleiche Chancen, gleiche Behandlung und gleichen Einsatz seiner Fähigkeiten haben. Und das ist kein Aufruf zu Beliebigkeit, Freiheit ohne Verantwortung, Handeln ohne Moral. Ganz im Gegenteil. Jede Form von Ungleichbehandlung und Ungleichberechtigung ist nicht gerecht und nicht im Sinne demokratischer Grundwerte und Grundrechte.
In der Kunst übrigens (und nicht nur dort) waren und sind Frauen deutlich unterrepräsentiert – nein, nicht unbedingt auf den Bildern, gemalt werden sie gerne, aber hinter der Staffelei konnten und durften sie sich lange nicht durchsetzen. Das gilt natürlich für jede Form darstellender Kunst, nicht nur für Bilder. Und in Museen und Ausstellungen scheint auch eine gewisse Sehschwäche beim Blick auf Künstlerinnen zu bestehen.

