Gedanken klären und ordnen

Grad vorhin sagte wieder jemand zu mir: „Du machst zu viel!“ – Ach was, das stimmt doch gar nicht! Ich könnte viel mehr machen, wenn ich wollte oder mehr Zeit und vor allem Disziplin hätte. Ideen habe ich genug. Viel mehr, als ich realisieren könnte. Ich arbeite hart an meiner Fokussiertheit, bloß nicht verzetteln, ja nicht zu viel auf einmal, alles schön der Reihe nach. Gelingt nicht immer. Also ja, es stimmt, irgendein Projekt habe ich immer in Arbeit und noch mehr in Planung. Manchmal brummt mir der Kopf vor lauter Einfällen, „ich wollte doch das noch, und hier müsste ich auch endlich mal, und das wäre doch auch toll…..“. Machen mache ich dann wenig, aber das versuche ich dann richtig und konsequent umzusetzen. Ich nehme mir dann ein Jahresprojekt vor. Dieses Journal ist so ein Jahresprojekt, das vom letzten Jahr. Fristgerecht um dreiviertel Zwölf (23.45) am 31. Dezember ging die Seite online. Grad noch so geschafft.

Ein Jahr braucht so etwas auch – angefangen von der Planung bis hin zur Fertigstellung. Das Schwierigste ist dabei aber die gedankliche Vorarbeit. Grad habe ich mir wieder so ein Jahresprojekt vorgenommen, also nicht grad, sondern im Januar. Kaum war das eine fertig, drängte ich schon nach dem nächsten. Diesmal geht es um irgendwas mit meinen Hobbyfotografien. Sehr, sehr „Hobby“, dilettantisch, noch nicht mal mit einer vernünftigen Kamera, einfach nur Handyfotografie, aber irgendwie gefallen mir meine Bilder. Wie aber funktioniert das mit dem Gedanken klären, wie lässt sich Ordnung in all die Flausen im Kopf bringen?

Es ist ein Prozess, der einer Logik von eintauchen und wieder aufsteigen entspricht, ein sich der Leidenschaft hingeben und wieder Boden unter den Füßen gewinnen entspricht. Immer wieder von neuem und kreuz und quer. Und manchmal auch gar nichts tun, auf den richtigen Moment, den Kairos, warten, den Gedanken ihren Lauf lassen und auf einen Impuls, eine Eingebung hoffen. Zu sich kommen lassen, ohne eigenes Dazutun, eigentlich nicht einmal hoffen. Nur da sein. Ein wenig so, wie du hoffst, dass der Schmetterling sich auf deinen Kopf oder deine nackten Zehen setzt. Wartest du darauf, ziert er sich; bist du einfach nur da an deinem Platz im Garten, lässt er sich nicht lange bitten. Ist mir schon oft so gegangen, nur fotografieren konnte ich es noch nie.

Also – Gedanken klären. Ein Wust wie eine verhedderte Lichterkette, die ein Jahr lang im Karton mit der Adventsdeko lag. Alles hakt ineinander, kein Anfang, kein Ende zu finden. Womit anfangen? Mir hilft es, mich zu fragen, worum es mir eigentlich geht. Was will ich denn da eigentlich ans Licht bringen? Worin könnte das Ziel liegen? Was ist mein Anliegen? Ich brauche eine Zeit der tiefen Reflexion, des in mich Gehens, des Eintauchens in meine Motivation, um das herauszufinden, was Fred Korthagen (1) die innere Mission nennt. Das ist wie ein Hinabtauchen an den Grund eines Sees, um den verborgenen Schatz zu heben. In Gedanken zumindest.

Dann aber brauche ich auch wieder einen Überblick, um eine Ordnung in meinen Ideen zu erkennen. Was mich treibt, ist das eine, daraus aber etwas Praktisches, Tätiges abzuleiten, das Aktivwerden auch zu planen, ist etwas anderes. Konzeptentwicklung ist das Stichwort, was hält die Dinge denn zusammen, wo ist der rote Faden, was gehört dazu, was nicht? Das ist wie ein Aufsteigen in die Welt der Gedanken und Ideen, der Konzepte und Modelle, wo ich erst einmal ohne Begrenzung meinen Gedanken freien Lauf lassen kann, um dann die Dinge zu ordnen wie die Socken in den Ordnungshelfern von IKEA. Skubb oder Komplement oder so was. Ich stelle mir manchmal vor wie ein Bussard zu sein, der hoch oben fliegt und kreist und noch das kleinste Mäuschen unten am Boden entdeckt, nur dass ich einfach einen Überblick gewinne, analysieren kann, Informationen austauschen, aber auch visionieren kann.

Nun kann ich zwei miteinander verschränkte oder einander abwechselnde Prozesse in Gang setzen. Um aus Visionen, Konzepten und Plänen ein Projekt zu machen, brauche ich den zündenden Funken, um den Gedanken Leben einzuhauchen, um kreativ sein zu können. Er gehört auch große Portion Willenskraft dazu, die Bereitschaft Risiken einzugehen, scheitern zu können, Konflikte zu durchleben. Begeisterung und Intuition müssen immer wieder neu entfacht werden, um ausstrahlen zu können. Nur dann gelingen der Aufbau und die Transformation des Projekts.

 

 

 

Wenn, ja wenn auch die Bodenhaftung, die Erdung, das Praktische hinzukommen. Hier sind Ausdauer, Disziplin und auch Fleiß notwendig, denn von nichts kommt nichts, wie wir alle wissen. Harte Arbeit, immer wieder den inneren Schweinehund überwinden (meiner ist so groß wie eine Dänische Dogge und so schwer wie ein Bernhardiner), aber auch ganz konkrete Dinge wie Zeit- und Arbeitspläne, Finanzpläne, große workflows und kleine Schritte auf To-Do-Listen müssen erstellt, Neues gelernt und ausprobiert werden. Dann wagt sich so ganz allmählich das kleine zarte Pflänzchen, der Keimling ans Tageslicht und irgendwann bei gute Pflege und weiterem Eintauchen und Hochfliegen, Lodern und Erden darfst du die ersten Früchte ernten. Holleri di dudel du! du dödel di…

 

Mit Elementen, Farben und anderen Visualisierungen unentdeckte Potenziale entdecken, Anliegen klären und Projekte managen – von der ersten Idee (oder einem unentwirrbaren Knäuel) bis zur Realisierung – begib dich auf narrative Wege mit fabula Me!

 

 

 

 

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