Authentisch sein – Eine Illusion?

Wann möchten Sie authentisch sein? Möchten Sie es überhaupt? Ich höre von vielen Menschen, dass ihnen Authentizität sehr wichtig ist. Auch authentisches Essen ist wichtig, authentische Kunst sowieso, authentische Hotels an authentischen Reisezielen …. Warum ist das so wichtig und wie geht das eigentlich – authentisch sein?

Der unbekleidete Herr im Bild unten schaut den*die Betrachter*in direkt an, zeigt aber auf den bekleideten Mann, neben sich. Auch dieser blickt zum*zur Betrachter*in; beide schauen sich nicht an, halten sich aber an der Hand. Sie stehen dadurch in direkter körperlicher Verbindung. Umgekehrt sieht der*die Betrachter*in zwei Herren in die Augen. Auch hierdurch entsteht eine Verbindung. Beiden Männer unterscheiden sich voneinander, sind verschieden, allein schon durch den Bekleidungszustand. Sie sind auch different von dem*der Betrachter*in, denn sie sind gezeichnet. Erscheinen in einem Bild vor blauem Hintergrund. Durch den artifiziellen Blickkontakt aber entsteht eine spiegelbildliche Beziehung – metaphorisch gesehen. Wir sehen uns abwechselnd in dem bekleideten und in dem entblößten Mann. Der eine ist „gesellschaftsfähig“, er kann sich in seinem Anzug in die Öffentlichkeit begeben, am sozialen Leben teilhaben. Der nackte, entblößte Mann an seiner rechten Seite könnte dies auch tun, aber er würde aus der Rolle fallen, gegen Regeln und sittliche Gesetze verstoßen. Aber er zeigt sich, wie er ist, im sogenannten Adamskostüm, und trägt nicht einmal das Feigenblatt. Ist er authentisch? Und der angezogene Herr? Ist er es weniger? Wie halten Sie es? Was zeigen Sie von sich selbst? Wem gegenüber verhalten Sie sich authentisch? Immer und überall? Zu wem nehmen Sie darüber Kontakt auf und wer darf sich in Ihnen spiegeln?

16. XI. 1987 von Florin Mitroi; Städt. Galerie im Lenbachhaus München; Foto: Mattstedt

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